Literatur

 

 

Rezensionen

Alle hier vorgestellten Bücher können in der JUKUS-Bibliothek ausgeliehen werden!

BIFFL, GUDRUN; RÖSSL, LYDIA (2015): Suchtverhalten und Migration. Zur Praxis der Präventionsarbeit in Österreich. Omninum. St. Stefan im Lavanttal

Euro 32,90

Obwohl in Österreich die Erhebung von suchtbezogenen Daten und die Dokumentation der Präventions- und Behandlungsangebote gut ausgestaltet ist fällt ins Auge, dass mögliche Unterschiede bezüglich der Erfahrungen zwischen ÖsterreicherInnen und Personen mit Migrationshintergrund nicht beinhaltet sind. Auch ist weitgehen offen, ob bestehende Präventionsmaßnahmen den Bedürfnissen von MigrantInnen entsprechen. Dies ist ein auffallender blinder Fleck. Die vorliegende Publikation des Teams der Donau Universität Krems wirft einen klärenden Blick auf dieses wenig beforschte, aber in der Praxis hochrelevante Feld, incl. migrationsspezifischer Risikofaktoren (etwa durch Stress). Allerdings wird "Spielsucht" sehr breit ausgelegt, womit der Fokus auf die pathologischen Glücksspielsicht ("Kleines Glücksspiel") massiv zu kurz kommt. Aufbereitet mit einem Überblick über das Forschungsdesign als Anhang (Online-Befragungen, Interviews, Fokusgruppen) und Literatur- bzw. Internetquellen, führt die 230 Seiten starke Publikation mit Text und (leider sehr klein gedruckten) Grafiken vor Augen, ob und inwiefern diversitätsorientiert die Suchtpräventionsstrategien in Österreich sind. Die Schlussfolgerungen beinhalten knappe Hinweise auf die Bedeutung selektiver und indizierter Suchtprävention und auf die Notwendigkeit, Diversity Management auf die Maßnahmengestaltung anzuwenden. Die Studie holt nationale und internationale Forschungserkenntnisse herein und stellt die eigene Forschung vor.

 

SPECK, JULIA (2008): Glücksspielsucht und sozialpädagogische Intervention. Glücksspielsucht und sozialpädagogische Interventionsmöglichkeiten am Beispiel türkisch-stämmiger Migranten. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller

Euro 49,00

In ihrer Diplomarbeit thematisiert die Sozialarbeiterin Julia Speck das bisher kaum erforschte Phänomen der Spielsuchtgefährdung türkischstämmiger Migranten am Beispiel der Stadt Kiel. Nachdem sie die Themenkreise Sucht und Migration anhand verschiedener Modelle näher bestimmt und erläutert, sucht sie nach migrationsspezifischen Faktoren, welche die erhöhte Vulnerabilität türkischer Männer erklären könnten. Speck nennt hier die von Migranten erlebten Kulturkonflikte, die Identitätsdiffusion, die Marginalisierung und Diskriminierung, von denen die kurzfristige Euphorie des Spielens willkommene Ablenkung verschafft. Insbesondere durch das illegale Glücksspiel in manchen Hinterzimmern türkischer Kulturvereine könne auch jener Zusammenhalt und jene kulturelle Zugehörigkeit, die durch die Migration verloren wurden, partiell wiedererlebt werden. Da türkische Migranten die Arbeit klassischer Suchthilfeeinrichtungen kaum in Anspruch nehmen, scheinen die bestehenden institutionellen Angebote für diese Zielgruppe inadäquat zu sein. Am Ende des Buchs entwickelt Speck deswegen erste Ansätze für eine migrantenspezifische Suchthilfe.

Fazit: Die etwa 90-seitige Diplomarbeit bietet eine gute Einführung in bekannte Modelle zu Spielsucht und Migration, entwickelt aber auch plausible Erklärungsansätze für die besondere Gefährdung von Migranten. Die Handlungsempfehlungen für die konkrete Sozialarbeit sind allerdings im Sinne einer ersten Skizze sehr kurzgehalten.

 

 

SCHU, MARTINA; MARTIN, MARIAM; CZYCHOLL, DIETMAR (2013): Zugänge finden, Türen öffnen: transkulturelle Suchthilfe. transVer. Lengerich

Euro 15,50

Auf 100 Seiten erfährt man knapp und gut strukturiert in dieser Handreichung, wie transkulturelle Suchtarbeit gelingen kann: Der Bezugspunkt ist zwar Deutschland, aber die Aufbereitung erlaubt sehr leicht, die Informationen ins österreichische Suchthilfesystem zu transferieren. Sehr praxisorientiert stellt die Broschüre Erfahrungen und Handlungsempfehlungen aus sechs deutschen Modellprojekten dar. Zugangsbarrieren, Willkommenskultur und transkulturelle Öffnung werden etwa gezielt dargelegt. Die Praxisbeispiele sind so gewählt, dass man sich den konkreten Ablauf ausreichend genau vorstellen kann, um die davon abgeleiteten Handlungsempfehlungen einschätzen zu können. Die Materialien sowie Links ergänzen das Angebot, sind jedoch nur auf Deutschland und knappst die Schweiz ausgerichtet.

Die 8 Seiten lange „Checkliste für eine inter- und transkulturelle Organisationsausrichtung“ stellt sicher, dass die Empfehlungen nochmals in Form gegossen vorliegen. Abschliessend werden spezifische Items zur Anamnese bzw. zur KlientInnendomentation im transkulturellen Kontext angeführt.

Fazit: Ansprechend aufbereitet, anschaulich formuliert und aktuell in der Methodik.

 

 

MEYER, G. & BACHMANN, M. (2011): Spielsucht  – Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten. Springer Verlag, Heidelberg

Euro 56,99

In dem über 300 Seiten starkes Buch setzen sich die Autoren mit dem Thema Glückspiel und Spielsucht auseinander. Das Buch mit sehr vielen Fallbeispielen aus der Praxis bietet dem Leser einen umfassenden Überblick über die Thematik. Den Anfang machen die Autoren mit einer chronologischen Erklärung des Glückspieles. Darauf aufbauend werden die Entstehungsbedingungen Erscheinungsformen und der Verlauf von der pathologischen Spielsucht anhand theoretischer Erklärungsansätze beschrieben. Auf die Praxis bezugnehmend werden in diesem Teil die individuellen, sozialen Bedingungen und Besonderheit des Glücksspiels die anziehend wirken, erklärt. Vor diesem Hintergrund werden neurobiologische Erkenntnisse, psychoanalytische, soziologische und sozialpsychologische Erklärungsansätze behandelt.

In weiteren Kapiteln werden gründlich die Therapiemöglichkeiten wie Selbsthilfegruppen, ambulante und stationäre Behandlung für pathologisches Spielverhalten veranschaulicht. Zum Schluss wird das Thema Prävention behandelt, welches Ergebnisse verschiedener Behandlungsansätze in einigen unterschiedlichen Ländern vergleichend beschreibt. Darüber hinaus werden einige Ansatzpunkte präventiver Maßnahmen genannt.

Fazit: Das Buch ist sehr empfehlenswert. Es bietet einen allgemein schnellen Überblick zum Thema Glücksspielsucht.

 

KALKE, J. & all (2011): Glücksspiel und Spielerschutz in Österreich. Empirische Erkenntnisse zum Spielverhalten der Bevölkerung und zur Prävention der Glücksspielsucht. Lambertus, Freiburg im Breisgau

Euro 24,90

Die Autoren Jens Kalke et all untersuchen in ihrem überschaulich strukturierten und gleichnamigen Werk das Glücksspielverhalten und den Spielerschutz in Österreich. Das Buch besteht aus fünf Teilen, die aufbauend in die Thematik einführen.
Am Anfang beschreiben die Autoren ausführlich ihr Forschungsvorhaben, samt der Zielsetzung und Aufbau der wissenschaftlichen Studie. Weiteres beschäftigen sie sich mit der Darstellung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes über die Effekte von Präventionsmaßnahmen im Glücksspielbereich in verschiedenen Ländern. Sehr ausführlich und detailliert  wird im dritten Teil eine Bestandsaufnahme vom Glücksspielwesen in Österreich präsentiert. Hierbei werden die sehr schön Strukturen, Angebote des Glückspieles erklärt und der Spielerschutz und das Hilfesystem für problematische GlückspielerInnen im Land beschrieben.
Die empirischen Daten zum Ausmaß der Glückspielsucht in der Bevölkerung und zur Bewertung von Präventionsmaßnahmen werden im vorletzten Teil vorgestellt. Einzel werden die Ergebnisse der ExpertInneninterviews, repräsentative Bevölkerungsbefragung, Befragung von SpielerInnen der terrestrischen Glückspielen, der OnlineglückspielerInnen und des Personals der Glückspielanbieter präsentiert.
Zum Schluss folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse, welche sie zuvor ausführlich diskutierten. Es werden hier auch Empfehlungen zur Glückspielsuchtprävention gegeben, und eine Weiterentwicklung der Glückspielsuchtprävention in Österreich dargelegt.

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Werk, welches einen schnellen und sehr informativen Überblick über das Glückspiel und Spielerschutz in Österreich gewährt.

 

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